StromAktualisiert am 11. Juli 2026

Stromanbieter wechseln: Anleitung, Dauer und Kosten

Die kurze Antwort vorweg: Du suchst dir einen Tarif aus, gibst einmal deine Daten ein, und der neue Anbieter erledigt den Rest – inklusive Kündigung beim alten. Der Wechsel kostet nichts, dauert meist 3 bis 6 Wochen, und dein Strom fließt die ganze Zeit weiter. Die lange Antwort steht hier drunter.

Kurz beantwortet

Ein Stromanbieterwechsel dauert in Deutschland meist 3 bis 6 Wochen und kostet nichts. Der neue Anbieter kündigt den bisherigen Vertrag selbst, benötigt werden nur Postleitzahl, Jahresverbrauch und Zählernummer. Die Versorgung läuft während des Wechsels ununterbrochen weiter, weil nach § 38 EnWG der örtliche Grundversorger einspringt, falls etwas hakt.

Frau vergleicht Stromtarife am Laptop in ihrer Küche
Laptop, Kaffee und die letzte Jahresabrechnung reichen.

Lohnt sich der Wechsel überhaupt?

In den meisten Fällen: ja, deutlich. Wer noch nie gewechselt hat, steckt fast immer in der Grundversorgung, also dem Standardtarif der örtlichen Stadtwerke. Der liegt aktuell bei 38 bis 42 Cent pro Kilowattstunde. Gute Neukundentarife kosten eher 25 bis 28 Cent. Bei einem 3-Personen-Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch macht das 300 bis 500 € Unterschied. Pro Jahr, nicht einmalig.

Auch wer irgendwann mal gewechselt hat, zahlt oft zu viel. Verträge verlängern sich still, Anbieter heben die Preise für Bestandskunden an, und was vor zwei Jahren günstig war, ist heute Mittelfeld. Steht auf deiner Rechnung „Grundversorgung", lies am besten direkt weiter: Grundversorgung zu teuer – was tun?

Das brauchst du für den Wechsel

Du brauchst nur drei Angaben: deine Postleitzahl (Netzentgelte sind regional unterschiedlich, deshalb gelten Tarife immer pro Ort), deinen Jahresverbrauch in kWh von der letzten Jahresabrechnung und die Zählernummer, die erst bei der Anmeldung dran ist. Sie steht auf dem Stromzähler oder ebenfalls auf der Rechnung.

Keine Abrechnung zur Hand? Dann rechne grob so:

Stromanbieter wechseln in 3 Schritten

Stromanbieter wechseln 2026: Infografik mit den 3 Schritten Vertrag checken, Tarife vergleichen, Wechsel beauftragen – Dauer 3 bis 6 Wochen, Kosten 0 Euro
Der ganze Wechsel in einer Grafik: drei Schritte, 3 bis 6 Wochen, keine Kosten.

1. Aktuellen Vertrag checken

Zwei Angaben interessieren dich: die Kündigungsfrist und die Restlaufzeit. In der Grundversorgung kannst du jederzeit mit zwei Wochen Frist raus. Bei Sonderverträgen steht die Frist im Vertrag, üblich sind vier Wochen zum Laufzeitende. Seit der Vertragsrechtsreform 2022 darf sich ein Vertrag übrigens nicht mehr um ein ganzes Jahr still verlängern: Nach der Erstlaufzeit kommst du monatlich raus.

Du ziehst gerade um? Dann gelten ein paar Besonderheiten, etwa das Sonderkündigungsrecht, wenn dein Anbieter an der neuen Adresse nicht liefert. Die Details stehen im Ratgeber Strom anmelden nach Umzug.

2. Tarife vergleichen

Postleitzahl und Verbrauch eingeben, Liste anschauen. Bei der Auswahl zählen vier Punkte:

  • Preisgarantie: mindestens 12 Monate. Sonst war der günstige Einstiegspreis nach drei Monaten Geschichte.
  • Vertragslaufzeit: maximal 12 Monate. Längere Bindung bringt dir fast nie einen Vorteil.
  • Kein Paketpreis: Pakettarife rechnen mit festem Verbrauch. Verbrauchst du weniger, verfällt der Rest; verbrauchst du mehr, wird es teuer.
  • Bonus kritisch prüfen: Ein hoher Neukundenbonus macht das erste Jahr billig und das zweite teuer. Entscheidend ist der Preis ab dem 13. Monat.

Viele Vergleichsportale sortieren nach dem Erstjahrespreis inklusive Bonus – das verzerrt die Liste zugunsten von Tarifen, die dich ab dem zweiten Jahr Geld kosten. Wir zeigen bei TarifOptimum den Preis ohne Bonusrechnerei.

3. Wechsel beauftragen

Name, Adresse, Zählernummer eingeben, abschicken. Der neue Anbieter kündigt beim alten Versorger, meldet dich beim Netzbetreiber um und schickt dir die Vertragsbestätigung mit Lieferbeginn. Danach heißt es nur noch: Zählerstand zum Stichtag ablesen, fertig.

Wie lange dauert der Wechsel?

Technisch geht ein Lieferantenwechsel seit 2025 innerhalb von 24 Stunden. In der Praxis bestimmt aber die Kündigungsfrist deines alten Vertrags den Termin: Aus der Grundversorgung bist du nach zwei Wochen raus, bei Sonderverträgen läuft der alte Vertrag bis zum Laufzeitende weiter. Rechne insgesamt mit 3 bis 6 Wochen von der Anmeldung bis zum Lieferbeginn.

Kann der Strom ausfallen? Nein.

Die häufigste Sorge, und sie ist unbegründet. Dein Strom kommt immer über das gleiche Netz, und der Netzbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, die Versorgung sicherzustellen. Wer dein Lieferant ist, spielt dafür keine Rolle. Selbst wenn dein neuer Anbieter morgen pleitegeht, springt automatisch der Grundversorger ein. Du kannst so oft wechseln, wie du willst, ohne Risiko.

Sonderkündigungsrecht: wann du sofort rauskommst

Erhöht dein Anbieter den Preis, darfst du den Vertrag außerordentlich kündigen, egal wie lange er regulär noch läuft. Die Erhöhung muss dir vorab mitgeteilt werden, meist per Brief oder E-Mail, und ab dann hast du in der Regel zwei Wochen Zeit.

Viele übersehen dieses Schreiben, weil es gern unscheinbar formuliert ist („Anpassung der Konditionen"). Dabei geht es um echtes Geld: 3 bis 5 Cent mehr pro kWh sind bei 3.000 kWh Verbrauch 90 bis 150 € im Jahr. In diesem Fall kündigst du ausnahmsweise selbst, damit die Frist nicht verstreicht, und suchst dir parallel den neuen Tarif.

Festpreis oder dynamischer Tarif?

Seit 2025 müssen Stromanbieter auch dynamische Tarife anbieten, bei denen der Preis stündlich dem Börsenstrompreis folgt. Das lohnt sich, wenn du ein intelligentes Messsystem hast und Verbrauch verschieben kannst: E-Auto nachts laden, Wärmepumpe mittags laufen lassen. Für einen normalen Haushalt ohne Großverbraucher ist ein Festpreistarif mit Preisgarantie meist die entspanntere Wahl: Du weißt, was du zahlst, und musst nicht auf Börsenkurse schauen.

Daran erkennst du einen guten Tarif

KriteriumEmpfehlung
VertragslaufzeitMax. 12 Monate
PreisgarantieMindestens so lang wie die Laufzeit
KündigungsfristMax. 4 Wochen
BonusNur wenn der Preis auch ohne Bonus fair ist
VorauskasseVermeiden – lieber monatlich zahlen

Übrigens: Alles hier gilt genauso für Gas. Wenn du beides wechselst, kannst du bei manchen Anbietern kombinieren und sparst doppelt.

Und danach? Einmal im Jahr draufschauen

Der Energiemarkt bewegt sich. Der Tarif, der heute vorn liegt, kann nächstes Jahr Durchschnitt sein. Einmal im Jahr vergleichen reicht, um dauerhaft im günstigen Bereich zu bleiben.

Wenn dir das zu viel Verwaltung ist: Genau dafür gibt es uns. Wir behalten deinen Tarif im Blick und melden uns, sobald es einen besseren gibt.

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Quellen und Stand

Alle Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf den Stand Juli 2026. Preise, Fristen und gesetzliche Regelungen können sich ändern.

Benjamin Jeschke - Service bei TarifOptimum

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Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert ein Stromanbieterwechsel?

Meist 3 bis 6 Wochen, denn die Kündigungsfrist deines alten Vertrags bestimmt den Termin. Technisch ist der Wechsel seit 2025 innerhalb von 24 Stunden möglich. Dein neuer Anbieter übernimmt die Kündigung, du gibst nur einmal deine Daten ein.

Kann beim Stromanbieter wechseln der Strom ausfallen?

Nein, ausgeschlossen. Das ist gesetzlich geregelt. Der Strom kommt immer über das gleiche Netz, egal bei welchem Anbieter du bist. Falls beim Wechsel irgendwas hakt, springt automatisch dein lokaler Grundversorger ein. In über 20 Jahren liberalisiertem Strommarkt ist noch kein Haushalt wegen eines Anbieterwechsels ohne Strom gewesen.

Was kostet ein Stromanbieterwechsel?

Nichts. Weder der alte noch der neue Anbieter darf für den Wechsel Gebühren verlangen. Auch Vergleich und Beratung kosten dich nichts.

Was passiert, wenn mein neuer Anbieter pleitegeht?

Dann übernimmt dein lokaler Grundversorger. Du merkst davon im Alltag nichts, außer dass du einen Brief bekommst. Ist in den letzten Jahren ein paar Mal passiert (Stromio, Immergrün), die Kunden hatten trotzdem durchgehend Strom.

Muss ich meinen alten Vertrag selbst kündigen?

Nein, das macht dein neuer Anbieter. Eine Ausnahme: Wenn du ein Sonderkündigungsrecht nutzt, zum Beispiel nach einer Preiserhöhung. Dann solltest du selbst kündigen, damit du die Frist nicht verpasst.

Wie oft kann ich den Stromanbieter wechseln?

So oft du willst. Es gibt weder eine Begrenzung noch eine Wartezeit, viele wechseln jedes Jahr. Wichtig ist nur, die Kündigungsfrist des laufenden Vertrags zu treffen.